Es war eine Mischung aus einem Silvesterabend und dem Anfang des Dritten Weltkriegs. Wir gingen an verschiedenen Häusern vorbei, die für die jeweiligen Länder standen. Die Landschaft morphte zwischen Rellingen und Dänemark. Russland enthielt sich und nahm nicht teil. Ich wartete die ganze Zeit auf Japans Auftritt, fand es so niedlich, dass sie das erste Mal auftraten und Energy Drinks tranken, doch als wir an Japans Haus vorbei kamen, passierte nichts. Stattdessen schickte eine andere Partei Raketen los, die erst waagerecht in den Himmel flogen und dann ihr Ziel fanden. Simultan rief ich aus voller Kehle: 'Wer hat das Erdbeben ausgelöst?' Wir gingen einen recht steilen Weg hinauf, als ich eine Art Raumschiff, Hangar oder fliegendes Munitionsdepot ausmachte. Es meldete sich die Stimme Amerikas, die meinte, dies sei erst der Anfang. Kurz, bevor uns eine Rakete traf, wachte ich auf.
Sunday, October 28, 2012
Sunday, September 2, 2012
Briefe an Länder, 2: Israel oder Maggiland
Israel, meine ferne Verwandte..
Was ist los mit dir? Warum schreibst du so geschwollen?
Grüße.
Was ist los mit dir? Warum schreibst du so geschwollen?
Grüße.
Wednesday, August 1, 2012
Briefe an Länder: Japan oder Neo-Israel
Japan, mein liebstes,
liebstes Land. Du bist stolz, jedoch
zurückhaltend und zuvorkommend, hilfsbereit und
irgendwie unverständlich widersprüchlich – dadurch unantastbar.
Warum nenne ich dich meine
tote Liebste, ja sogar Neo-Israel? Durch 3/11 bist du gestorben und
wieder auferstanden, du geheiligtes Volk. Innerhalb deiner
Landesgrenzen kam der Satan wie ein Erdrutsch über dich, eines der
reinsten Länder, das sich sträubt, sich anzupassen. Deine inhärente
Andersartigkeit liebe ich an dir. Leider hast du auch die Tendenz wie
die unterwanderte Regierung Israels, zu lügen. Jedoch nicht aus Kalkül, sondern
aus Schüchternheit und Höflichkeit. Ich, Deutschland, verstehe
diese Notlügen allerdings nicht wirklich – es kommt immer wieder
zu Misverständnissen zwischen uns. Unsere Verbundenheit aus dem
zweiten Weltkrieg ist zwar in Ansätzen noch vorhanden, doch wir
haben uns auseinandergelebt. Ich bin ein Moloch von Chaos,
Unhöflichkeit und Pöbel und Gesocks geworden...von Stolz weiß ich
nicht mehr viel. Seit 1945 sind 67 Jahre vergangen. Das ist eine
lange Zeit; der Kalte Krieg hat mich gezeichnet.Verzeihe mir, meine
Liebste. Auch du hast dich verändert, dein Stiefvater Amerika hat
dir ein Kostüm gegeben, das dir so gar nicht passt. Du trägst die
Kleider mit Fassung und wehrst dich still. Dafür liebe ich dich. Ich
denke, du solltest deine aufgestaute Frustration herauslassen und
dich aufbäumen, doch in dieser Welt, in diesem System ist es
unmöglich. Lass uns trotzdem eine Fernbeziehung führen.
Tuesday, July 24, 2012
Er und die nostalgtronesische Kinderarmee fangen den Krieg an
Es
war einmal ein traumatisierter Mann mit dem 1000-mile-stare.
Das Leben frustrierte ihn. Er hatte keine Freundin, alle Frauen
nahmen Abstand von ihm, weil sie meistens sehr anspruchsvoll und
sensibel waren und seine kindlich-naive Art nicht aushielten. Der
Mann saß den ganzen Tag nur herum und baute mehr und mehr
Frustration auf. Er hatte einen seltsamen Bart. Auch das geschah aus
Frustration. Wenn der Mann nervös oder frustriert war, dann vergaß
er schnell Dinge – und so vergaß er, den mittleren Teil des
Oberlippenbarts wegzurasieren!! Schade. Sehr schade.
Seine
Traumatisierung und Frustration wurde irgendwann unaushaltbar,
weshalb er seine Aggression gegen das Land Semitolon richtete.
Schade. Sehr schade! Die Semitolonesen waren kein böses Völkchen an
sich, bloß gab es da eine Art böse Sekte. Davon wusste der Mann
aber nichts. Ihm wurde lediglich von seiner Ex-Freundin ins Gehirn
geschissen und so dachte er, er müsste als Liebesbeweis alle
Semitolonesen aus Merlinholm verbannen.Welch grober Fehler!!
Der
Mann zog aus, um Soldaten und Soldatinnen zu rekrutieren. Er dachte
unterwegs lange nach, welche Art von Armee er für den Krieg gegen
Semitolon denn geeignet wäre. Hmm. Er dachte an seine Vergangenheit.
Aus seiner Zeit als Erzieher wusste er, dass Kinder meistens sehr
geniale Ideen hatten, wenn es um Krisensituationen ging. Hmm. Grübel.
Grübel.
Fortsetzung folgt.
Monday, July 23, 2012
Ich verklage den Gott des Mammon und bekomme als Entschädigung ein Ticket nach Japan sowie ein lebenslanges Tabak-Abonnement
Diese kürzeste
Kurzgeschichte widme ich allen alleinerziehenden Müttern in Japan,
die viel zu wenig Geld vom Staat bekommen. Mehr Geld für
alleinerziehende Mütter! Weniger Geld für priapistische
Rechtsanwälte und Politiker!!
Zudem
widme ich diese Geschichte der Diakonie, der Polizei, dem BND, allen
Mafias der Welt und dem deutschen Staate, meinem lieben Vaterlande.
Ich
verklagte den Gott des Mammon. Mit Geld hielt er alle gefangen.
Nachdem er in Revision ging, gewann ich. Schade! Sehr schade.
Ende. Man
wird ja wohl noch träumen dürfen.
Sunday, July 22, 2012
Kuridamo & Candela
Es
war einmal ein alter, junger Mann namens Kuridamo,
der in ein fremdes Land namens Sulfuristan reiste. Er war zu
dem Zeitpunkt ein Anhänger einer Sekte namens Saeko-Philitristen. Er
verliebte sich unsterblich in eine junge alte Dame namens Candela
Hiromi-Carajo. Sein eigentlicher Plan war gewesen, ewig in einem
Saeko-Philitristen-Schrein zu leben, eingesperrt in Fröhlichkeit.
Frauen hatten ihn in seinem langen kurzen Leben bisher immer sehr
enttäuscht und so wollte er die Göttin Saeko zu seinem einzigen
Lebensinhalt machen. Er konnte Candela jedoch nicht widerstehen. Es war
sein größter Fehler und die beste Entscheidung seines Lebens.
Da
sein Beutel voll Gold in einem Waldschrein gestohlen wurde, musste
Kuridamo leider vorzeitig seinen fliegenden Teppich benutzen und
zurück in das Königreich Merlinoplis. Schade! Sehr schade. Dort
wurde er von allen wie ein Aussätziger behandelt. Er verbrachte 40
Tage in einem verlassenen Verlies, in dem er von Dämonen heimgesucht
wurde. Niemand im gesamten Königreich durfte etwas von diesem
sagenumwobenen, verfluchten Ort erfahren. Außer Gynt Dormant, der
geheime König von Merlinopolis. Das ist aber eine andere Geschichte.
Kuridamo traf einen alten Weißschwarzmagier namens Harun T. Ismac,
der ihm viele neue Zaubersprüche beibrachte, ihn jedoch seine
heilige Saeko und Candela vergessen ließ, indem er ihn in seinen Träumen
besuchte. Schade! Sehr schade! Kuridamo musste wieder weiterziehen.
Diesmal nahm er all seinen Mut zusammen und zog ein in das dunkelste
Schloss von Merlinopolis: Schloss Neukultstein. Er wurde wieder
heimgesucht, Nacht für Nacht. Täglich wurde er stärker. Sogar
seine Saeko-Philitristen-Lehrer überholte er. Es stellte sich
nämlich heraus, dass sie mit Hilfe von Candela, Harun und den
Kellergeistern des Schlosses Neukultstein einen Dämonen in ihn
hineinchanneln wollten, der Merlinopolis in den Abgrund stürzen
sollte. Er wollte aber zurück nach Sulfuristan, das gelbgüldene
Land der Katzen und Kinder.
Schade!
Sehr schade.
Thursday, July 19, 2012
Der Spion Gottes, oder. Der Wichtigste Mann der Welt...bei Netto
Es
war einmal ein gerade mal erwachsener Mann namens John Niemand. Er
ging durch die Welt wie ein naives Kleinkind. Eines Tages ging er
einkaufen, wie alle Erwachsenen das eben so tun. Nach etwa einer
halben Stunde Fußweg, völlig in Gedanken versunken, kam er bei der
populären Supermarktkette Netto an. Er ging durch die
vollautomatische Tür und kaufte bloß das Notwendigste ein:
Schokolade und Honig. An der Kasse traf er den wichtigsten Mann der
Welt; er hieß Anton Nobody. Natürlich war das nur ein Deckname,
sollte sich später herausstellen. Woher wusste John, dass Anton der
wichtigste Mann der Welt war? Anton erzählte es ihm einfach nebenbei
– es war gerade niemand sonst an der Kasse und die Gelegenheit war
günstig. Warum war Anton der wichtigste Mann der Welt? Das ist
schwerer zu erklären. Die Welt sei laut Anton von den Schergen
Waskepons bevölkert, dem bösen Gott des Todes. John hatte an so
einen Quatsch davor nie gedacht – er zweifelte und lachte Anton
aus. Auch diese wichtigen, aber bösen Menschen hätten Decknamen und
arbeiteten zum Beispiel als Bäcker, Maler oder waren
alleinerziehende Mütter. Sie planten angeblich die Weltherrschaft,
wie in einem Cartoon! John fiel die Kinnlade herunter. Anton erzählte
ihm nonchalant, dass er wichtige, verbotene Texte des heiligen
Menschen Neo, eines Botschafters des guten Gottes Leonidas, besaß
und somit ein Spion dieses guten Gottes sei. John schwieg und hatte
Angst. Er ging nie wieder zu Netto. Nun war er der zweitwichtigste
Mensch der Welt, ohne es zu wissen. Er arbeitete den Rest seines
Lebens als Fensterputzer.
Und
die Moral von der Geschicht: Wichtige Menschen gibt es nicht.
Wednesday, July 18, 2012
Der Besuch des Succubus oder der 36. Geburtstag
Ich
ging, nachdem ich spät nachts einen
fadenscheinigen Dämonen getroffen hatte, gestresst und bitter ins
Bett. In der Nacht passierte nichts. Ich träumte nicht. Ich war
nicht wach. Plötzlich erschien ein Succubus vor meinen Lenden und
entledigte mich meiner Frucht; ja gab mir Furcht, indem sie mir
Energie entzog. Ich war angeekelt. Ich habe sie aber besiegt und lebe
noch.
Friday, July 6, 2012
Mein Selbstmord 06/07/12
Im Laufe dieses Tages habe ich mir ein Performance-Art Kunstprojekt ausgedacht. Ich habe mir den ganzen Tag über vorgestellt, es wäre mein letzter Tag, ich hätte den Verstand verloren und würde mich in den Abendstunden umbringen. Warum? Ich wollte fühlen, wie es wäre.
Über Facebook habe ich morgens angefangen und zwei Einträge gepostet, die auf Abschied und meine Lebensmüdigkeit hinwiesen. (Sayonara, minna-san; japanisch.: Auf Wiedersehen, ihr alle.) Dazu der Blogpost, der diesem vorherging. Ich suchte am Tag zwei Male den Ort auf, wo es passieren sollte. Ich muss sagen, schon der erste Gang dorthin - ich wählte einen abgelegenen Spielplatz - machte mich wegen meiner Vorstellungskraft paranoid und war...angsteinflößend. Ich ließ mir aber nichts anmerken. Obwohl ich wusste, dass ich es niemals tun würde, war es wie eine selbsterfüllende Prophezeiiung -- meine Psyche spielte das Spiel mit.
Den ganzen Tag über tat ich fast nichts, ich wollte selbigen sehr still gestalten und auf meine Gedanken achten. Schließlich schaute ich noch einen Film, aß mein 'letztes Abendmahl' und überlegte, wie sich suizidale Personen an einem solchen Tag verhalten würden: im Zweifelsfall möglichst unauffällig. Still schrieb ich also einen kryptischen, lyrischen Zweizeiler als Abschiedsbrief und legte ihn in die Küche. Daneben zwei Briefe an meine (Ex?-)Freundin, die eine Nacht davor aus echtem Kummer entstanden waren. Dazu eine Flasche mit dem Waschmittel, das mich an sie erinnerte. Stimmung wie in 'Die Leiden des jungen Werther'. Verschwiegen rauchte ich noch ein paar letzte Zigaretten, um die Nervosität, die zwischen Schauspiel und Realität waberte, zu deckeln.
Als es draußen dunkel war, postete ich bei FB zwei Fragmente von Romanprojekten, die beide deutlich morbide waren und in der Ich-Perspektive geschrieben waren. Ich widmete sie meinen zwei liebsten Menschen. Dazu teilte ich per FB das Lied 'How To Disappear Completely' von Radiohead. Selbiges Lied spielte ich dann auch in der Realität und setzte anschließend ein anderes Lied auf Repeat, damit in meiner Abwesenheit wenigstens noch Geräusche aus meinem Zimmer kämen und alles in der Wohnung noch halbwegs lebendig wirken würde. Ich ließ mein Handy in der Wohnung und verließ das Haus - ziemlich ängstlich, obwohl ich wusste, dass ich mir nichts antun würde. Ich stieg auf mein Fahrrad und machte mich zum dritten Male auf zum Tatort. Im Dunkel der Nacht kam seltsamerweise eine gewisse Seelenruhe auf, immer durchsetzt von getriebener Paranoia. Mitgenommen hatte ich ein Feuerzeug und einen Gaskocher, ich überlegte noch an einer Tankstelle Benzin zu kaufen, hielt das aber für zu gefährlich, falls mich doch jemand in der Nacht sehen würde. Tatsächlich fuhr ein Streifenwagen an mir vorbei. Die Beamten können aber -noch nicht- Suizidale an den Augen oder der Kleidung erkennen. Ich kam beim Spielplatz an und verbrannte statt mich selbst nur Poster von japanischen Schauspielerinnen, die ich einst attraktiv fand. Danach rief ich den Namen meiner Freundin so laut ich konnte. Ich fuhr weiter und fühlte mich...wie neugeboren. Irgendetwas war von mir abgefallen. Ich hatte wirklich etwas in mir abgetötet. ...Ein befreiendes Ritual.
Gewundert hat mich bloß, dass a) niemand meine Hinweise erkannte und b) es alles so einfach gewesen wäre. Ich war zwar nach Ankündigung nur eine Stunde abwesend, doch bei FB wurde niemand aufmerksam. Wahrscheinlich ist Freitag ein strategisch ungünstiger Tag für Suizidale, die kryptische Hilfeschreie im Netz posten. (Seid drastischer und deutlicher bei euren Hinweisen, Todesmutige!) Oder jeder denkt nur an sich und möchte bei FB nur Anekdoten über Sauftouren und Kulinarisches sehen. Denkt euch euren Teil. Beides ist wohl ein bißchen wahr. Erhobener Zeigefinger.
Über Facebook habe ich morgens angefangen und zwei Einträge gepostet, die auf Abschied und meine Lebensmüdigkeit hinwiesen. (Sayonara, minna-san; japanisch.: Auf Wiedersehen, ihr alle.) Dazu der Blogpost, der diesem vorherging. Ich suchte am Tag zwei Male den Ort auf, wo es passieren sollte. Ich muss sagen, schon der erste Gang dorthin - ich wählte einen abgelegenen Spielplatz - machte mich wegen meiner Vorstellungskraft paranoid und war...angsteinflößend. Ich ließ mir aber nichts anmerken. Obwohl ich wusste, dass ich es niemals tun würde, war es wie eine selbsterfüllende Prophezeiiung -- meine Psyche spielte das Spiel mit.
Den ganzen Tag über tat ich fast nichts, ich wollte selbigen sehr still gestalten und auf meine Gedanken achten. Schließlich schaute ich noch einen Film, aß mein 'letztes Abendmahl' und überlegte, wie sich suizidale Personen an einem solchen Tag verhalten würden: im Zweifelsfall möglichst unauffällig. Still schrieb ich also einen kryptischen, lyrischen Zweizeiler als Abschiedsbrief und legte ihn in die Küche. Daneben zwei Briefe an meine (Ex?-)Freundin, die eine Nacht davor aus echtem Kummer entstanden waren. Dazu eine Flasche mit dem Waschmittel, das mich an sie erinnerte. Stimmung wie in 'Die Leiden des jungen Werther'. Verschwiegen rauchte ich noch ein paar letzte Zigaretten, um die Nervosität, die zwischen Schauspiel und Realität waberte, zu deckeln.
Als es draußen dunkel war, postete ich bei FB zwei Fragmente von Romanprojekten, die beide deutlich morbide waren und in der Ich-Perspektive geschrieben waren. Ich widmete sie meinen zwei liebsten Menschen. Dazu teilte ich per FB das Lied 'How To Disappear Completely' von Radiohead. Selbiges Lied spielte ich dann auch in der Realität und setzte anschließend ein anderes Lied auf Repeat, damit in meiner Abwesenheit wenigstens noch Geräusche aus meinem Zimmer kämen und alles in der Wohnung noch halbwegs lebendig wirken würde. Ich ließ mein Handy in der Wohnung und verließ das Haus - ziemlich ängstlich, obwohl ich wusste, dass ich mir nichts antun würde. Ich stieg auf mein Fahrrad und machte mich zum dritten Male auf zum Tatort. Im Dunkel der Nacht kam seltsamerweise eine gewisse Seelenruhe auf, immer durchsetzt von getriebener Paranoia. Mitgenommen hatte ich ein Feuerzeug und einen Gaskocher, ich überlegte noch an einer Tankstelle Benzin zu kaufen, hielt das aber für zu gefährlich, falls mich doch jemand in der Nacht sehen würde. Tatsächlich fuhr ein Streifenwagen an mir vorbei. Die Beamten können aber -noch nicht- Suizidale an den Augen oder der Kleidung erkennen. Ich kam beim Spielplatz an und verbrannte statt mich selbst nur Poster von japanischen Schauspielerinnen, die ich einst attraktiv fand. Danach rief ich den Namen meiner Freundin so laut ich konnte. Ich fuhr weiter und fühlte mich...wie neugeboren. Irgendetwas war von mir abgefallen. Ich hatte wirklich etwas in mir abgetötet. ...Ein befreiendes Ritual.
Gewundert hat mich bloß, dass a) niemand meine Hinweise erkannte und b) es alles so einfach gewesen wäre. Ich war zwar nach Ankündigung nur eine Stunde abwesend, doch bei FB wurde niemand aufmerksam. Wahrscheinlich ist Freitag ein strategisch ungünstiger Tag für Suizidale, die kryptische Hilfeschreie im Netz posten. (Seid drastischer und deutlicher bei euren Hinweisen, Todesmutige!) Oder jeder denkt nur an sich und möchte bei FB nur Anekdoten über Sauftouren und Kulinarisches sehen. Denkt euch euren Teil. Beides ist wohl ein bißchen wahr. Erhobener Zeigefinger.
Frau Feuerholztal
Frau
Feuerholztal setzte das Teeservice ab und verneigte sich. 'Tun Sie
das bitte nicht', sagte ich. 'Ich verneige mich ja auch nicht vor
Ihnen. Bitte.' Sie nickte verlegen, doch ihr ungeheures
Selbstbewusstsein schien durch ihr verschmitztes Lächeln hindurch.
Sie strich sich eine platte schwarze Strähne, die fast ihre Nase
berührt hatte, aus dem Gesicht. Der Tee floß in unsere Tassen. Ich
betrachtete die Farbe der einzigen Medizin, die mir in dieser
aussichtslosen Lage blieb: Ich dachte an Rot, ich dachte an Blut. Ich
hatte Lust auf Selbstmord, doch ich traute mich nicht. Ich lachte.
Friday, June 29, 2012
Russland, Teil 1
„Ich
bin zum Klischee des russischen Pianisten verkommen, der ich niemals
sein wollte!“
Voll kaltem
Schweiß saß er in einem verrauchten Hinterzimmer in einer Moskauer
Kneipe. Ohne die fast zwanghaft angebotenen Gläschen voll Wodka
hätte er den Mut wohl nicht aufgebracht, hier aufzutreten. Sein
moosgrüner Rollkragenpullover kratzte unangenehm an seinem Hals. Die
besoffenen Blicke auf Seiten der Männer und die lüsternen Blicke
auf Seiten der sogenannten Damen hielt er nur widerwillig aus. Wie
zum Teufel war er hier gelandet? Er stellte sich das Publikum in
schwarz-weiß vor, um nicht so nervös zu sein. So wie er es aus den
Filmaufnahmen aus dem zweiten Weltkrieg in seinen Kindstagen kannte.
Wie in einem Stummfilm hatte er zudem seine Gedanken als kurze,
schäbige Einblendungen vor seinem geistigen Auge, um wenigstens
nicht seinen Humor zu verlieren und diese Maskerade, diese Schikane,
zu ertragen. Er spielte das Stück Gnossiene No. 1 von Erik
Satie. Es versetzte ihn in eine verfrühte, alltäglich
apokalyptische Stimmung. Das Publikum verstand die Töne zwar, war
aber schon in einem fortgeschrittenen Rauschzustand und bekam dadurch
nur noch Fetzen von ausgekotztem Russisch heraus, die er sowieso
nicht verstand. Es war ein schöner Albtraum. Nach drei klebrigen
Minuten und vierundzwanzig Sekunden war das Gastspiel vorbei. Ein
Paar alaska-blauer Augen blieb ihm bei der dahingerotzten Verbeugung
vor dem Publikum im Gedächtnis hängen. Ihr Name sei Kujika.
Im
Backstage-Bereich, der diesen Namen nicht annähernd verdiente,
streunte auch die Russin namens Kujika herum. Sie hatte ihm den
Rücken zugewandt und sprach mit einem modisch-bärtigen, russischen
Gitarristen mit ungeschnittenen Fingernägeln an der rechten Hand –
angeblich musste man das als klassischer Gitarrist so handhaben, um
besser zupfen zu können. Doch im Endeffekt war es nur eine Ausrede
für Faulheit und mangelnde Körperpflege. Kujika hingegen hatte es
sich anscheinend zur Angewohnheit gemacht, einen Seidenschal in den
Farben der russischen Föderation zu tragen. (Kein Kommentar.) Unter
der Seide schimmerte das Weiß ihres Nackens hindurch. Es erinnerte
ihn mangels Vergleichsmöglichkeiten an die weißen Streifen auf dem
Asphalt der Hauptstadt. Russland hatte ihn nüchtern und gefühllos
gemacht. Es ließ ihn auf seltsame Weise kalt. Doch ihr eichenbraunes
Haar schien etwas über sie zu verraten, das man lieber nicht
verraten sollte.
Tuesday, June 26, 2012
Die Baumeister
Der
Fluch von Bob begann, als er sich mit der weißen Hexe Tsubawa über
die Baumeister lustig machte, eine Art Techno-Religionsgemeinschaft.
Die beiden fragten sich, ob selbige an Samstagabenden denn auch mal
fröhlich und ausgelassen feiern würden, wie in Disneyfilmen, von
einem Bein aufs Andere hüpfend. Seitdem lastet auf den beiden ein
schwerer Fluch. Bob reiste aus Kummer nach Merlin im Keimland aus und
traf einen Antichrist-Roboter, der ihn mit elektronischen
Zaubersprüchen belegte. Seitdem ist nichts, wie es war. Tag für Tag
erstickte er seinen Kummer mit Rauch und Schokolade und wartete
vierzig Jahre auf ein Lebenszeichen seiner Angebeteten. Es geschah
nichts. Als er all sein Geld verloren hatte und in einen
sechshundertsechundsechzig Jahre langen Schlaf verfiel, wachte er
auf, Tsubawa an seinem Todesbett. Die Baumeister lebten nicht mehr.
Die Erde war leer.
Und
wenn sie dann gemeistert wurden, dann bauen sie nicht mehr.
Saturday, June 23, 2012
Adam
Es
war einmal ein kleiner Junge namens Adam. Er lebte allein in einem
kleinen, dunklen Zimmer mit bloß einer Kerze und
einem Teller voll Reis. Eines Tages hatte er einen schrecklichen
Traum. Er spielte auf dem Spielplatz und alle Kinder riefen im Chor:
<<Wir
sind keine echten Kinder! Wir sind Hexen und Hexer!>>
Adam
verstand nicht. Doch als er aufwachte, hatte er fürchterliche Angst.
Er dachte Tag und Nacht nur noch an Hexen und sang Lieder, um sich
fröhlich zu machen. 6 Tage vergingen, 6 Mal schlief er, 6 Mal wurde
er wach. Am sechsten Tag flog ein Vogel durch das violett getönte,
offene Fenster. Er sagte: <<Ich komme aus dem Land Semitolon
und bin ein Hexenvogel!>> Adam schwieg, dann hatte er Angst und
sang. Doch der Vogel lachte nur. Er war ein Rabe, pechschwarz und
krumm seine Nase. Ohne es zu wissen, war Adam durch seine Lieder
selbst zum Hexer geworden. Der Reis in seinem Zimmer war in 6 Tagen
verschimmelt. Adam sang weiter.
Der
Rabe kam nie wieder.
Die
Kinder sangen froh.
Und
wenn sie nicht gestorben sind, dann singen sie noch heute.
Wednesday, June 20, 2012
Ende; Anfang
Ich habe mein Leben gehabt, wie es mir paßte, und es hat mir nicht an Freiheit und an Schönem gefehlt, aber ich bin doch immer allein geblieben.
- Hermann Hesse, Das Ende
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